Fotografen

Neulich fragte mich ein Kunde, welche Kamera ich ihm für den Einstieg in die professionelle Fotografie empfehlen könne und worauf man achten müsse.

Eine simple Frage, die jedoch nicht so einfach zu beantworten ist.

Ich nehme Bezug auf den bekannten Fotografen Andreas Feininger. Dieser sagte einst in „Die große Fotolehre“, das gerade die Amateure vernarrt sind in Präzisionskameras, funkelnde Objektive, Feinkornentwickler, usw.  Diese Amateure haben oft die beste Ausrüstung und besitzen immer das neueste Kameramodell, aber sie wissen oft überhaupt nicht, was sie denn damit fotografieren sollen. Ihre Aufnahmen sind meistens ohne jeden Wert.

Der professionelle Fotograf stellt – auch wenn er nicht mit den Amateuren verglichen werden möchte – bestimmte Anforderungen an seine Kamera.

Aber nicht um mit technischen Details zu protzen, sondern weil die Kunden und Bildagenturen bestimmte technische Daten voraussetzen (z.B. Megapixel). Das ein oder andere Detail gestaltet den Gebrauch einfach bequemer und macht die Kamera praxistauglicher. Außerdem ist für die Umsetzung von kreativen Bildideen oft eine bestimmte Kameratechnik zwingend nötig.

Doch zurück zur Ausgangsfrage. Was muss eine Profi-Kamera können oder haben?

Wechselobjektive: Die Objekive, die Blitzgeräte und Lichtformer sind der wirklich wertvolle Besitz eines guten Fotografen. Die Kamera kann einfach gegen neuere Modelle ausgetauscht werden, wenn es diese gibt.

RAW-Aufnahmen: Eine RAW-Aufnahme ist häufig die einzige Möglichkeit ein Bild zu “retten”, wenn die Lichtsituation kritisch ist.

Blitzschuh: Die Steuerungsmöglichkeiten des eingebauten Blitzes von Digitalkameras sind unzureichend.

Vollformat-Sensor: Je größer der Sensor, desto detailreicher und schärfer werden die Bilder.

Weitere Kriterien sind eine geringe Auslöseverzögerung, AdobeRGB-Farbraum, lange Akkulaufzeit etc.  Dies wird von den meisten modernen Kameras erfüllt.

Und was ist mit den Megapixeln? Beinahe irrelevant. Selbst sehr preiswerte Spiegelreflex-Digitalkameras, die die meisten obigen Anforderungen erfüllen, haben heutzutage mindestens 8 oder gar 10 Megapixel. Das ist völlig ausreichend.

Um die “beste Kamera” zu finden, ist es wichtig, sich über den Einsatzzweck klar zu werden.  Canon bietet beispielsweise im Profisegment neben der Canon EOS 1Ds Mark III für Studiofotografen auch die Canon EOS 1D Mark III an, welche nur halb so viele Megapixel hat, dafür aber bei Serienaufnahmen doppelt so schnell ist und deshalb  für Sportfotografen die bessere Wahl darstellt.

Die Kamera-Marke spielt keine Rolle, solange der Hersteller genug Wechselobjektive anbietet und auch langfristig herstellt. Gerade Anfänger kaufen häufig eine schicke Spiegelreflex-Digitalkamera und haben danach kein Geld mehr um in gute Objektive zu investieren. Aber eine Canon EOS 1D Mark III mit einem AF 28-300mm F/3,5-6,3-Objektiv von Tamron wird sicher keine besseren Fotos machen als eine Canon EOS 1000D mit einem EF 85mm 1.2 L II USM-Objektiv von Canon.

Abgesehen vom Vollformat-Sensor erfüllen z.B.  alle Canon EOS-Kameras die genannten Voraussetzungen. Anfänger sollten eher mehr Geld in hochwertige Objektive investieren  und beim Kameramodell dafür sparen. Das Objektiv kann ja nach 2-3 Jahren beim Wechsel zu einer besseren Kamera einfach behalten werden. Übrigens muss das Objektiv nicht mal teuer sein: Eine 50mm 1.8 II-Festbrennweite von Canon kostet ca. 100 Euro und hat damit ein ausgezeichnetes Preis/Leistungsverhältnis. Damit  hier nicht der Verdacht der Schleichwerbung aufkommt: Nikon macht ebenfalls gute Kameras und Objektive.